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Allgäuer SeenSeen, Weiher & Bergseen

Stauseen im Allgäu

Viele Allgäuer Seen sehen natürlich aus und sind es nicht. Eine kleine Geschichte der aufgestauten Gewässer – vom Fischweiher des Fürstabts bis zum Hochwasserspeicher.

RatgeberAktualisiert am 28.09.2026Lesezeit ca. 3 Min.
Der Grüntensee, 1962 an der Wertach aufgestaut
Der Grüntensee, 1962 an der Wertach aufgestaut. Foto: Edelmauswaldgeist, CC0, Wikimedia Commons.
150016001700180019002000Schwaltenweiher · 1514Eschacher Weiher · 1677Forggensee · 1954Grüntensee · 1962Rottachsee · 1992Jahr der Anlage bzw. Inbetriebnahme; Quelle: Wikipedia-Artikel der Gewässer
Vom Fischweiher des 16. Jahrhunderts bis zur Talsperre von 1992. Eigene Darstellung.

Fischweiher und Mühlteiche

Die ältesten aufgestauten Gewässer im Allgäu sind Weiher, die Klöster und Landesherren seit dem Mittelalter angelegt haben. Fisch war Fastenspeise und ein wichtiges Nahrungsmittel. Das Fürststift Kempten ließ zahlreiche Weiher anstauen, etwa den Bachtelweiher im 13. Jahrhundert oder den Eschacher Weiher im 17. Jahrhundert, der zugleich als Mühl- und Löschteich diente. Kaiser Maximilian I. ließ 1514 den Schwaltenweiher bei Seeg anlegen – für Fischzucht und die Jagd auf Wasservögel.

Viele dieser Weiher existieren seit Jahrhunderten und wirken heute wie natürliche Seen. Schilfgürtel, Moorbereiche und alte Bäume am Ufer haben sie längst in die Landschaft eingefügt.

Strom vom Lech und von der Wertach

Im 20. Jahrhundert kam die Wasserkraft. Der Lech ist seit Ende des 19. Jahrhunderts mit einer Kette von Staustufen ausgebaut. Die größte davon ist der Forggensee, 1954 fertiggestellt und mit gut 15 Quadratkilometern der größte Stausee Deutschlands. Für ihn wurden Höfe und Weiler aufgegeben; sein Pegel schwankt stark, weil er im Winter abgesenkt wird.

Auch an der Wertach gibt es mehrere Staustufen. Ganz oben liegt der Grüntensee von 1962, der dem Hochwasserschutz und der Stromerzeugung dient. Weiter flussabwärts, in der Gegend von Bad Wörishofen, liegen kleinere Staubecken wie der Frankenhofener See, der Schlingener See und der Bingstetter See – heute vor allem Rückzugsorte für Wasservögel.

In den Bergen wurde sogar der Schrecksee in den 1950er Jahren um acht Meter aufgestaut, um ein kleines Kraftwerk im Hintersteiner Tal zu versorgen.

Wasser für trockene Zeiten

Der jüngste große Speicher ist der Rottachsee südlich von Kempten, 1992 in Betrieb genommen. Er dient weniger der Stromerzeugung als dem Wasserhaushalt: Bei Hochwasser hält er Wasser zurück, bei Niedrigwasser gibt er es ab und stützt so den Pegel von Iller und Donau. Sein Bau war umstritten, weil eine kleinteilige Wiesenlandschaft verloren ging.

Natur aus zweiter Hand

Ein Stausee ist ein Eingriff. Er zerschneidet Flüsse, verändert den Transport von Kies und Sand und überflutet Lebensräume. Am Forggensee ging die Illasschlucht verloren, am Rottachsee artenreiche Wiesen. Gleichzeitig haben sich an vielen Speichern neue Lebensräume gebildet: Flachwasserzonen, Inseln und Röhricht, in denen seltene Vögel brüten und rasten. Beides gehört zur Geschichte dieser Seen.

Wem die Seen gehören

Die großen Speicher gehören meist dem Freistaat Bayern oder Energieunternehmen. Der Forggensee wird vom Betreiber der Lech-Kraftwerke bewirtschaftet, der Rottachspeicher vom Wasserwirtschaftsamt Kempten. Viele alte Weiher sind dagegen bis heute in Privatbesitz – der Schwaltenweiher zum Beispiel. Das erklärt auch, warum die Regeln für Baden, Boote und Angeln von See zu See verschieden sind.

Stauseen und Hochwasser

Hochwasser an Iller, Wertach und Lech entstehen oft, wenn Starkregen auf die Schneeschmelze trifft. Die Speicher fangen dann einen Teil des Wassers auf und geben es verzögert ab. Nach den großen Hochwassern um die Jahrtausendwende wurde der Forggensee deshalb im Normalbetrieb etwas niedriger gehalten, um mehr Platz für Hochwasser zu haben. Ganz verhindern können die Speicher Überschwemmungen nicht, aber sie verschaffen den Orten flussabwärts Zeit.

Ein Besuch am Damm

Wer sich für Technik interessiert, sollte sich die Staudämme ansehen. Am Forggensee informiert ein kleines Infozentrum im Kraftwerk Roßhaupten über die Wasserkraft am Lech. Der Erddamm des Rottachsees ist 38 Meter hoch – vom Ufer aus bekommt man einen Eindruck von der Größe des Bauwerks. Am Grüntensee sieht man den Hochwasserüberlauf, über den bei Hochwasser das Wasser abfließt.

Häufige Fragen

Welcher ist der größte Stausee im Allgäu?

Der Forggensee bei Füssen mit gut 15 Quadratkilometern – er ist zugleich der größte Stausee Deutschlands.

Ist der Schwaltenweiher ein Stausee?

Ja, ein Stauweiher: Er wurde 1514 durch Aufstauen des Schwaltenbachs angelegt.

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