
Die Geschichte
Das Gerücht geht ungefähr so: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sollen Goldbestände der Deutschen Reichsbank, die zuvor auf Schloss Neuschwanstein gelagert gewesen seien, auf dem Grund des Alatsees versenkt worden sein. Manche Erzählungen schmücken das mit Lastwagenkolonnen aus, die nachts in den Wald hinauffuhren, oder mit Soldaten, die das Seeufer absperrten.
Belegt ist davon wenig. Sicher ist nur, dass der Alatsee im Krieg tatsächlich militärisch genutzt wurde – nur anders, als die Legende nahelegt.
Was wirklich im See lag
Während des Zweiten Weltkriegs führten Techniker der Luftwaffe am und im Alatsee Versuche durch. Sie testeten Unterwassermodelle des Nachtjägers Focke-Wulf Ta 154, um dessen Aerodynamik zu untersuchen – Wasser eignet sich dafür als Ersatz für einen Windkanal. Eisenstangen und Gestelle dieser Versuche liegen bis heute im See.
Aus militärischer Geheimhaltung, abgesperrtem Gelände und einem abgelegenen, unheimlichen See entsteht leicht eine Schatzgeschichte. Nach dem Krieg lockte sie zahlreiche Glücksritter an.
Schatzsucher und Tote
Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren tauchten Schatzsucher im Alatsee. Sie holten vieles herauf, oft illegal – vor allem versenkte Waffen aus dem Krieg. Gold oder andere Reichtümer wurden nie gefunden.
Das Tauchen im Alatsee ist gefährlich. Ab etwa 15 bis 18 Metern Tiefe liegt eine Schicht aus Purpur-Schwefelbakterien, darunter ist das Wasser nahezu sauerstofffrei und enthält Schwefelwasserstoff. Dazu kommen Kälte und schlechte Sicht. Seit 1983 ist der See für Taucher gesperrt; Ausnahmen gibt es nur für die Wissenschaft.
Ältere Sagen
Unheimlich war der See den Menschen schon lange vor dem Krieg. Die Umgebung wurde nie besiedelt, Einheimische mieden den Ort. Erzählt wird von Fabelwesen und Gespenstern, von Wanderern, die ins Wasser gezogen würden, und von Erdspalten, durch die man bis nach Österreich gelangen könne. Eine Sage erklärt die vielen Äste und Stämme im See damit, dass Mönche des Klosters St. Mang einer alten Frau ihre Pacht schuldig geblieben seien – worauf ein Bergsturz Bäume in den See gerissen habe.
Die realen Hintergründe sind weniger mystisch. Fischsterben und die unheimliche Atmosphäre lassen sich mit dem Schwefelwasserstoff erklären, der gelegentlich aus der Tiefe aufsteigt. Die verkrüppelten Bäume am Ufer gehen auf starke Windströmungen in der engen Senke zurück.
Kluftinger und der Seegrund
Die Gerüchte vom versenkten Gold und die militärischen Versuche haben auch die Allgäu-Krimis von Volker Klüpfel und Michael Kobr inspiriert: In „Seegrund“ ermittelt Kommissar Kluftinger rund um einen Bergsee bei Füssen. Seitdem kommen manche Besucher auch auf den Spuren des Romans.
Warum solche Geschichten entstehen
Legenden um versenkte Schätze gibt es an vielen Alpenseen, besonders um die letzten Kriegstage 1945. Damals wurden tatsächlich Gold- und Devisenbestände, Akten und Kunstwerke in die Alpen gebracht, versteckt und teilweise nie vollständig aufgeklärt. Das gibt jeder Geschichte einen wahren Kern. Hinzu kommt: Ein tiefer, dunkler See ist ein perfektes Versteck – zumindest in der Vorstellung.
Beim Alatsee kamen mehrere Dinge zusammen: die Nähe zu Neuschwanstein, wo im Krieg tatsächlich Kunstgut eingelagert war, die geheimen Versuche der Luftwaffe, ein seltsam riechender, unheimlicher See und eine alte Tradition von Sagen. Aus diesen Zutaten entsteht eine Geschichte, die sich hartnäckig hält.
Den See heute besuchen
Wer den Alatsee besuchen will, kommt am besten zu Fuß von Füssen durch das Faulenbacher Tal oder vom Weißensee aus. Ein Weg führt um den See. Tauchen ist verboten, eine ausgebaute Badestelle gibt es nicht, und das Wasser ist kalt. Mehr zur Natur und zur besonderen Schichtung steht im Steckbrief Alatsee.
Häufige Fragen
Wurde im Alatsee Gold gefunden?
Nein. Schatzsucher bargen nach dem Krieg vor allem Waffen, aber kein Gold.
Warum ist Tauchen im Alatsee verboten?
Unterhalb von etwa 15 bis 18 Metern ist das Wasser sauerstofffrei und enthält Schwefelwasserstoff. Seit 1983 ist Tauchen deshalb nur mit Sondergenehmigung erlaubt.

