
Ein See auf Zeit
Der Forggensee ist kein natürlicher See. Er entstand 1954, als am Lech bei Roßhaupten ein Staudamm fertig wurde und sich das Becken nördlich von Füssen füllte. Rund zehn Kilometer erstreckt er sich seither nach Norden, ein bis zwei Kilometer breit, auf etwa 780 Metern Höhe. Zu zwei Dritteln gehört er zum Gemeindegebiet von Schwangau; weitere Anlieger sind Füssen, Halblech, Rieden am Forggensee und Roßhaupten.
Seinen Namen hat er von einem Weiler, den es nicht mehr gibt: Forggen wurde beim Aufstau überflutet. Insgesamt verloren damals mehrere Dutzend Familien aus Brunnen, Deutenhausen, Forggen und dem Füssener Umland ihre Häuser. Einige Gebäude aus Deutenhausen wurden abgetragen und anderswo wieder aufgebaut.
Warum der Pegel schwankt
Der Stausee ist Teil der Lech-Kraftwerkskette. Er liefert Strom, gleicht den Wasserstand für die flussabwärts liegenden Kraftwerke aus und fängt im Frühjahr einen Teil der Schneeschmelze auf. Deshalb wird er im Herbst abgesenkt und erst im Frühjahr wieder gefüllt. Im Winter liegt ein großer Teil des Seebodens trocken – mit Kiesflächen, Rinnsalen und den Grundmauern alter Höfe. 2018 blieb der See wegen einer Sanierung der Staustufe sogar das ganze Jahr über leer.
Beim Niedrigwasser wurden auch archäologische Spuren sichtbar: Reste einer römischen Villa rustica, die 1974 freigespült wurden, und Hinweise auf Straßen aus römischer Zeit in der Nähe der Via Claudia Augusta.
Baden, Schiff und Rad
Im Sommer ist der Forggensee ein Revier für Segler und Surfer, die vom Wind aus dem Lechtal profitieren. Von Juni bis in den Oktober fahren in der Regel Ausflugsschiffe über den See – mit dem Blick auf Neuschwanstein und den Säuling, den man von fast jeder Bucht aus hat. Badestellen gibt es an mehreren Ufern, besonders beliebt ist die nordwestliche Bucht Illasbergsee mit Liegewiese und Kiosk.
Der Radweg rund um den See ist gut 30 Kilometer lang und weitgehend flach. Er führt an den kleinen Nachbarseen vorbei und lässt sich an mehreren Stellen abkürzen. Wer die Beine schonen will, kombiniert Rad und Schiff.
Energie vom Lech
Das Kraftwerk am Damm bei Roßhaupten hat zwei Turbinen mit zusammen rund 45 Megawatt Leistung. Im Kraftwerksgebäude informiert ein kleines Infozentrum über die Wasserkraft am Lech und über die Geschichte des Stausees.
Anreise und Orientierung
Füssen ist mit der Bahn über Kaufbeuren erreichbar; vom Bahnhof sind es zu Fuß oder mit dem Rad nur wenige Minuten bis zum Südufer. Mit dem Auto führt die A 7 bis kurz vor Füssen. Parkplätze gibt es an den großen Badestellen und bei den Schiffsanlegestellen, an schönen Sommertagen sind sie früh belegt. Wer den See in Ruhe erleben möchte, fährt mit dem Rad von Füssen aus los und lässt das Auto stehen.
Ein Tag am Forggensee
Ein möglicher Plan für einen langen Sommertag: morgens mit dem Rad am Westufer entlang nach Norden, Pause am Illasbergsee zum Baden, über den Damm bei Roßhaupten auf die Ostseite, dann an den kleinen Moorseen Kühmoossee, Schapfensee und Hegratsrieder See vorbei zurück Richtung Schwangau. Wer noch Kraft hat, hängt einen Abstecher zum Bannwaldsee an. Zurück nach Füssen geht es entweder auf dem Rad oder, bei passendem Fahrplan, mit dem Schiff.
Im Herbst, wenn der Pegel langsam sinkt, lohnt sich der Blick auf die frei werdenden Ufer: Dann zeigen sich alte Wegtrassen und Mauerreste, die den Sommer über unter Wasser lagen. Fotografen schätzen die Morgenstunden, wenn Nebel über der Wasserfläche liegt und Neuschwanstein darüber auftaucht.
Häufige Fragen
Wann ist der Forggensee voll?
In der Regel ist der See ab Juni bis in den Herbst gefüllt. Wann genau abgesenkt und aufgestaut wird, hängt von Schneeschmelze und Hochwasserschutz ab.
Wie lang ist der Radweg um den Forggensee?
Die Runde misst gut 30 Kilometer. Wer weniger fahren will, kürzt über Nebenstrecken ab oder nimmt für eine Etappe das Schiff.


