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Allgäuer SeenSeen, Weiher & Bergseen

Wasserqualität der Allgäuer Seen

Die meisten Badeseen im Allgäu haben sehr gutes Wasser. Trotzdem lohnt es sich zu wissen, wie gemessen wird – und warum nach einem Gewitter eine Warnung hängen kann.

RatgeberAktualisiert am 28.09.2026Lesezeit ca. 3 Min.
Herbst am Sulzberger See, einer der vom Landratsamt Oberallgäu überwachten Badestellen südlich von Kempten
Herbst am Sulzberger See, einer der vom Landratsamt Oberallgäu überwachten Badestellen südlich von Kempten. Foto: Gras-Ober, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons.

Wer misst was?

Grundlage ist die EU-Badegewässerrichtlinie von 2006. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten, offiziell gemeldete Badestellen während der Badesaison regelmäßig zu untersuchen: vor der Saison und dann mindestens viermal, mit höchstens einem Monat Abstand zwischen zwei Proben. In Bayern nehmen die Gesundheitsämter an den Landratsämtern die Proben, in Baden-Württemberg die dortigen Gesundheitsämter. Die Ergebnisse werden gesammelt veröffentlicht.

Gemessen werden vor allem zwei Bakteriengruppen: Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Beide stammen aus dem Darm von Mensch und Tier; findet man viele davon, ist das ein Hinweis auf eine Verunreinigung mit Abwasser oder Gülle – und damit auf mögliche Krankheitserreger.

Die Einstufung

Aus den Messungen von vier Badesaisons ergibt sich eine Einstufung: ausgezeichnet, gut, ausreichend oder mangelhaft. Die allermeisten Allgäuer Badestellen erreichen seit Jahren „ausgezeichnet“. Die Einstufung sagt aber nichts über einen einzelnen Tag aus. Dafür gibt es die aktuellen Messwerte und, wenn nötig, kurzfristige Badewarnungen.

Warum es nach Regen schlechter wird

Viele Allgäuer Seen und Weiher sind von Wiesen und Weiden umgeben, die gedüngt werden. Nach Starkregen schwemmt Wasser von diesen Flächen Keime in Bäche und Seen. Kleine Weiher mit großem Einzugsgebiet sind besonders betroffen – am Oggenrieder Weiher etwa kann die Qualität nach Regen kurzfristig so schlecht sein, dass das Baden untersagt wird. Die Faustregel: ein bis zwei Tage nach heftigem Regen lieber nicht in kleine Weiher mit Zulauf.

Blaualgen

In warmen, nährstoffreichen Gewässern können sich im Hochsommer Cyanobakterien stark vermehren, umgangssprachlich Blaualgen genannt. Das Wasser wird grünlich trüb, manchmal bilden sich Schlieren an der Oberfläche. Einige Arten bilden Giftstoffe, die Haut und Schleimhäute reizen oder bei Verschlucken Übelkeit auslösen. Kinder und Hunde sind besonders gefährdet, weil sie eher Wasser schlucken. Wenn Sie im knietiefen Wasser Ihre Füße nicht mehr sehen, lassen Sie es besser.

Der Nährstoffeintrag ist auch der Grund, warum Gewässer wie der Bachtelweiher in Kempten heute nicht mehr zum Baden genutzt werden. Tiefe, nährstoffarme Seen wie der Alpsee bei Schwangau haben dieses Problem dagegen kaum.

Badedermatitis

Juckende rote Pünktchen nach dem Baden sind meist eine Badedermatitis. Auslöser sind Larven von Saugwürmern, die eigentlich Wasservögel befallen und sich in die menschliche Haut verirren, wo sie schnell absterben. Sie treten vor allem im flachen, warmen Uferwasser auf, wo Schnecken leben. Unangenehm, aber harmlos. Es hilft, sich nach dem Baden gleich abzutrocknen und nicht lange im flachen Wasser zu stehen.

Besondere Fälle

Manche Seen haben eine ganz eigene Chemie. Der Alatsee bei Füssen ist in der Tiefe sauerstofffrei und enthält Schwefelwasserstoff, sein Abfluss riecht danach. Moorseen wie der Elbsee sind durch Huminstoffe braun gefärbt – das ist natürlich und kein Zeichen schlechter Qualität.

Was jeder selbst tun kann

Die Wasserqualität hängt nicht nur von der Landwirtschaft ab. Sonnencreme, Seife und Shampoo gehören nicht in den See – vor dem Baden duschen, danach am besten an Land abspülen. Wasservögel zu füttern mag nett wirken, bringt aber zusätzliche Nährstoffe ins Wasser und lockt noch mehr Vögel an, deren Kot wiederum die Keimbelastung erhöht. Und Hunde, die in kleinen Badeweihern schwimmen, tragen ebenfalls zur Belastung bei; an vielen Badestellen sind sie deshalb nicht erlaubt.

Klimawandel und Seen

Wärmere Sommer verändern die Seen. Das Wasser erwärmt sich früher im Jahr und bleibt länger warm, was Algenblüten begünstigen kann. In tiefen Seen verschiebt sich die Durchmischung, weil die warme Oberschicht stabiler wird. Und viele Seen frieren im Winter seltener zu – am Niedersonthofener See ist das schon deutlich zu sehen. Für Badegäste bedeutet das vor allem: Die aktuellen Warnungen sind wichtiger als früher.

Was die Farbe verrät

Klares, türkisfarbenes Wasser wie im Alpsee bei Schwangau oder im Schrecksee deutet auf wenig Nährstoffe hin; Licht dringt tief ein. Grünliches Wasser mit geringer Sichttiefe weist oft auf viel Plankton hin. Braunes Wasser in Moorseen ist dagegen natürlich. Eine Garantie für saubere Keimwerte ist klares Wasser allerdings nicht – dafür braucht es die Laborprobe.

Häufige Fragen

Wie oft wird die Wasserqualität gemessen?

An offiziellen Badestellen vor der Saison und dann mindestens viermal pro Saison, mit höchstens einem Monat Abstand.

Ist braunes Wasser in Moorseen schlecht?

Nein. Die Färbung kommt von Huminstoffen aus dem Torf und sagt nichts über Keime aus.

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