
Das Wurzacher Ried
Nördlich der Stadt Bad Wurzach im Landkreis Ravensburg liegt das Wurzacher Ried, eines der größten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs und eines der bedeutendsten Moorgebiete Süddeutschlands. Es ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000, als Vogelschutz- und als FFH-Gebiet. Entstanden ist das Moor in einem Becken, das der Rheingletscher in der letzten Eiszeit hinterlassen hat. Über Jahrtausende wuchs Torf in die Höhe, bis ein weites Hochmoor entstand, das an seinen Rändern in Niedermoor, Streuwiesen und Bruchwald übergeht.
Der Riedsee ist mit rund zehn Hektar die größte offene Wasserfläche im Ried.
Torf und Wiedervernässung
Über lange Zeit wurde im Wurzacher Ried Torf gestochen, zuerst von Hand als Brennstoff, später maschinell. Die Spuren – Gräben, Stichkanten, Dämme – sieht man bis heute. Seit der Torfabbau endete, versucht man, das Moor wieder zu vernässen: Gräben werden verschlossen, damit das Wasser im Moor bleibt und die Torfmoose wieder wachsen können. Ein intaktes Moor speichert große Mengen Kohlenstoff; ein entwässertes gibt ihn als Kohlendioxid ab.
Wer mehr über diese Geschichte wissen möchte, besucht das Torfmuseum am Rand des Rieds, das über den Abbau und das Leben der Torfstecher informiert.
Unterwegs im Ried
Mehrere Wege und Lehrpfade führen in das Ried hinein, teils über Holzstege. Infotafeln erklären Pflanzen, Tiere und Moorbildung. Für Familien mit Kindern ist das ein guter Ausflug: flach, abwechslungsreich und mit vielen Dingen zum Entdecken – Libellen, Wollgras, fleischfressender Sonnentau, im Frühjahr balzende Vögel. Wer fotografiert, kommt am besten früh am Morgen, wenn Nebel über dem Moor liegt.
Tiere und Pflanzen
Das Ried ist Lebensraum für Arten, die auf nasse, nährstoffarme Flächen angewiesen sind. Dazu gehören Moorlibellen, Schmetterlinge der Streuwiesen und zahlreiche Vogelarten, die hier brüten oder auf dem Zug rasten. Auch in den umliegenden Gewässern wie dem Rohrsee oder dem Brunner Weiher spielt der Vogelschutz eine große Rolle.
Anfahrt und Umgebung
Bad Wurzach liegt zwischen Leutkirch und Bad Waldsee. Mehrere Parkplätze am Rand des Rieds sind Ausgangspunkte für die Rundwege. Wer baden möchte, fährt an den Metzisweiler Weiher oder den Holzmühleweiher in der Umgebung.
Anreise
Bad Wurzach liegt im Landkreis Ravensburg zwischen Leutkirch und Bad Waldsee. Die Stadt hat keinen Bahnhof; Busse fahren von Leutkirch und Bad Waldsee. Mit dem Auto erreicht man sie über die A 96, Ausfahrt Leutkirch, und weiter auf Landstraßen. Am Rand des Rieds gibt es Parkplätze, die Ausgangspunkte für die Rundwege sind.
Beste Zeit
Im Frühjahr, wenn die Vögel balzen und brüten, ist das Ried voller Leben. Im Frühsommer blüht das Wollgras und überzieht die Moorflächen mit weißen Flocken. Im Herbst färben sich die Moorbirken, und Nebel liegt am Morgen über den Flächen. Im Winter ist das Ried still und weit – eine besondere Stimmung für einen Spaziergang.
Stadt am Moor
Bad Wurzach ist ein Moorheilbad; der Torf aus dem Ried wurde lange für Moorbäder genutzt. In der Stadt lohnen das Barockschloss mit seinem Treppenhaus und die Wallfahrtskirche auf dem Gottesberg einen Besuch. Zusammen mit dem Ried ergibt das einen abwechslungsreichen Tag im Württembergischen Allgäu.
Häufige Fragen
Kann man im Riedsee baden?
Nein. Der Riedsee liegt mitten im Naturschutzgebiet Wurzacher Ried; dort gilt ein Wegegebot. Badeweiher gibt es in der Umgebung.
Wie lange braucht man für einen Rundgang im Wurzacher Ried?
Die kürzeren Lehrpfade sind in ein bis zwei Stunden zu schaffen; längere Runden durch das Ried dauern einen halben Tag.

